Wer bestimmt, was auf unseren Tellern landet? Der KonzernAtlas 2026 ist da!
Vier Konzerne kontrollieren 61 Prozent des globalen Pestizidmarktes, 56 Prozent des kommerziellen Saatgutmarktes und 43 Prozent des Marktes für Landmaschinen. Diese Zahlen zeigen, wie stark die Macht im globalen Ernährungssystem konzentriert ist. Welche Folgen hat das für Ernährungssicherheit, Landwirtschaft, Umwelt und Demokratie? Und welche politischen Alternativen gibt es?
Der neue Agribusiness Atlas 2026 liefert Antworten. Mit aktuellen Daten, anschaulichen Grafiken und internationalen Beispielen untersucht er, wie wenige große Unternehmen zunehmend darüber bestimmen, was angebaut, gehandelt und gegessen wird. Dabei geht es um weit mehr als wirtschaftliche Marktmacht: Es geht um die Frage, wer unser Ernährungssystem gestaltet und wer von ihm profitiert.
Konzernmacht entlang der gesamten Lebensmittelkette
Der Atlas beleuchtet die zunehmende Konzentration von Marktmacht entlang der gesamten Lebensmittelkette: von Saatgut, Pestiziden und Düngemitteln über die industrielle Tierhaltung und den globalen Agrarhandel bis hin zu Lebensmittelpreisen und politischen Entscheidungsprozessen.
Vier zentrale Erkenntnisse stechen hervor:
1. Wenige Konzerne kontrollieren zentrale Bereiche der Landwirtschaft. Die Konzentration auf wenige Anbieter schafft Abhängigkeiten für landwirtschaftliche Betriebe und schränkt ihre Handlungsspielräume ein. Gleichzeitig verstärkt sie ein industrielles Produktionsmodell, das erhebliche ökologische und soziale Kosten verursacht.
2. Marktmacht beeinflusst Lebensmittelpreise und verschärft Krisen. Preise entstehen nicht allein durch Angebot und Nachfrage. Auch ungleiche Verhandlungsmacht, Finanzspekulation und Unternehmensstrategien spielen eine entscheidende Rolle. Während der Ernährungspreiskrise 2022 konnten große Agrarhandelsunternehmen ihre Gewinne vervielfachen, während Millionen Menschen mit steigenden Lebensmittelpreisen konfrontiert waren.
3. Wirtschaftliche Macht wird zu politischem Einfluss. Agrarkonzerne investieren erhebliche Summen in Lobbyarbeit und nehmen Einfluss auf politische Regulierung. Allein neun zentrale Industrieakteure meldeten zwischen 2020 und 2023 mehr als 50 Millionen Euro Lobbyaufwendungen im Zusammenhang mit der europäischen Pestizidregulierung. Der Atlas zeigt, wie wirtschaftliche Interessen politische Transformationsprozesse ausbremsen können.
4. Eine gerechtere Gestaltung des Ernährungssystems ist möglich. Der Atlas stellt konkrete politische Instrumente und internationale Beispiele vor: strengere Wettbewerbspolitik, faire Erzeugerpreise, öffentliche Lebensmittelbeschaffung, strategische Lebensmittelreserven und öffentliche Lebensmittelgeschäfte. Besonders das Beispiel Brasilien zeigt, wie staatliche Beschaffung kleinbäuerliche Landwirtschaft stärken und gleichzeitig den Zugang zu gesunder Ernährung verbessern kann.
Ernährungssysteme demokratisch gestalten
Eine zentrale Botschaft des Atlas lautet: Die Transformation unserer Ernährungssysteme ist eine politische Gestaltungsaufgabe. Dafür braucht es Regeln, die wirtschaftliche Macht begrenzen, faire Preise ermöglichen und ökologische sowie soziale Ziele in den Mittelpunkt stellen.
Der Atlas plädiert für mehr Ernährungsdemokratie: Landwirtinnen, Beschäftigte, Verbraucherinnen und Zivilgesellschaft müssen mitentscheiden können, wie Lebensmittel produziert, verteilt und zugänglich gemacht werden.
WEAVE hat mitgewirkt
Wir freuen uns, dass Lena und Jan als mitwirkende Redakteur*innen (Contributing Editors) an der internationalen Ausgabe des Agribusiness Atlas 2026 beteiligt waren.
Der Atlas wurde gemeinsam von der Heinrich-Böll-Stiftung, Friends of the Earth Europe, IPES-Food und dem Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre herausgegeben. Die redaktionelle Leitung lag bei Lena Luig von der Heinrich-Böll-Stiftung. Zahlreiche internationale Autorinnen und Expert*innen steuerten Analysen und Beiträge bei, darunter Jennifer Clapp, Raj Patel, Phil Howard, Isabella Weber und Olivier De Schutter als Mitverfasser des Vorworts.
Den Agribusiness Atlas 2026 gibt es hier kostenlos zum Download: